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Avatar von Christoph Klinger

Vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken, was genau dieses 'Ich' ist, von dem hier die Rede ist. Sowohl das, welches Stolz empfindet, als auch das, auf das man Stolz sein kann. Ich glaube dass das Gefühl in manchen Fällen gar nicht so irrational ist.

Avatar von Conrad Knittel

Ich persönlich tue mich mit dem Gefühl des Stolzes auch schwer, aber ganz unabhängig von der Frage nach der Freiheit. Denn selbst wenn wir, was ich glaube, in gewisser Weise frei sind, so stehen wir doch auch immer auf den Schultern von Giganten. Das könnte man noch esoterischer ausführen, aber ich weiß, du bist kein Fan, also lasse ich das.

Aber statt Stolz könnte man ja auch eine gewisse Freude darüber empfinden, in etwas so gut zu sein, und parallel dazu, zur Erdung, das Gefühl der Verpflichtung, die damit einhergeht -- das alte Sprichwort "Adel verpflichtet", neu interpretiert. Ich glaube, dass für Kinder nicht so sehr der Stolz der Eltern wichtig ist, sondern mehr die Freude an der Existenz (und den Leistungen!) der Kinder: Ich freue mich daran, wie du bist und was du schon alles kannst. Du bist gut so und es ist auch gut, wenn du dich weiter entwickelst und wir uns gemeinsam daran freuen können.

Was folgenden Gedanken angeht: "Zunächst einmal - um noch kurz den Möchtegern-Philosophen heraushängen zu lassen - wird ein Argument nicht dadurch falsch, dass einem die Schlussfolgerung nicht gefällt." -- das ist schon richtig, ABER! Wenn einem die Schlussfolgerungen gewisse Bauchschmerzen verursachen, tut man doch gut daran, noch einmal an die Prämissen heranzugehen mit der Frage, ob sie nicht doch vllt nicht ganz so zwingend sind, wie sie schienen. Das ist in der Regel nämlich der Fall. Es gibt fast keine Zwänge innerhalb der logischen Begründungen.

Ich habe Harris' Buch (noch) nicht gelesen, aber ich könnte mir vorstellen, dass er als Naturwissenschaftler zu wenig die geisteswissenschaftliche Reflexion darüber, was Naturwissenschaftliche Praxis eigentlich ist (nämlich zu großen Teilen Herstellungswissen) zur Kenntnis genommen hat und der naiven Annahme anhängt, dass die Naturwissenschaften ihre eigene Erkenntnistheorie gleich mitliefern. Das tun sie nicht, und das kann man zeigen, ganz frei von Esoterik.

Ein letzter Gedanke zur Thematik. Ein harter Determinist (wie Harris) muss sich eigentlich nicht dazu zwingen wollen, besonders logisch zu denken. Dir immer wieder zu sagen, dass Stolz keinen Sinn ergibt, ist streng genommen irrelevant. Denn das ist eine normative Aussage und normative Aussagen haben für Deterministen lediglich als (blinde) Kausalursachen Relevanz, nicht als Gründe. Folgerichtig haben harte Deterministen wie Schopenhauer normative Ethik auch abgelehnt. Ich werde das in meiner Artikelreihe zum Thema noch weiter ausführen ;)

Liebe Grüße

Conrad

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